Wie entstehen Vorurteile? Woran erkennt man extremistische Botschaften in sozialen Medien? Und was kann jeder Einzelne für Respekt, Vielfalt und ein friedliches Miteinander tun? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Oberschule 1 Nordenham bei einem besonderen Präventionstag am 18. September unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rassismus und Extremismus“.

Organisiert wurde der Projekttag gemeinsam von der Schulleitung und der Schülervertretung der Oberschule 1. Statt des normalen Unterrichts standen zahlreiche Workshops auf dem Stundenplan, in denen sich die Jugendlichen auf ganz unterschiedliche Weise mit Rassismus, Extremismus, Diskriminierung, Vielfalt und Zivilcourage auseinandersetzten.
Dabei ging es nicht nur um theoretisches Wissen. Viele Angebote waren bewusst praktisch und kreativ gestaltet. So entstanden beispielsweise Freundschaftsarmbänder mit Botschaften wie „Respekt“, „Freundschaft“ oder „Love“, bemalte Taschen und Socken sowie eigene Kleidungsstücke mit antirassistischen Aussagen. Bei „Draw yourself“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer eigenen Identität und der Frage auseinander, was jeden Menschen einzigartig macht. Aus den einzelnen Selbstporträts sollte zugleich ein gemeinsames Bild der Vielfalt entstehen. Auch Gemeinschaftskunstwerke und eine farbige Gestaltung auf dem Schulhof machten deutlich: Unterschiedlichkeit gehört zum Schulleben dazu und kann eine Gemeinschaft bereichern.
Einen besonderen Blick auf die Vielfalt vor Ort richtete der Workshop „Buntes Nordenham“. Bilder von bekannten Gebäuden und Orten der Stadt wurden künstlerisch mit den Farben der Herkunftsländer der Schülerinnen und Schüler gestaltet. Beim internationalen Kochen wiederum lernten die Jugendlichen Gerichte, Esskulturen und Traditionen verschiedener Länder kennen. Gemeinsames Kochen und Essen sollte dazu beitragen, miteinander ins Gespräch zu kommen, Vorurteile abzubauen und kulturelle Vielfalt kennenzulernen.
Auch Kinderrechte und der Umgang mit Gewalt spielten eine Rolle. Schülerinnen und Schüler gestalteten eigene Demonstrationsplakate und machten sich bei einer kleinen Demonstration durch die Schule und über das Schulgelände für Kinderrechte stark. In einem weiteren Workshop untersuchten sie Alltagssituationen und beschäftigten sich damit, wo Gewalt beginnt und wie man anderen helfen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.



Ein Schwerpunkt des Projekttages lag auf der Lebenswelt der Jugendlichen im Internet. Gleich mehrere Workshops nahmen Social Media, Fake News, Hass und extremistische Inhalte in den Blick. Beim Spiel „Hidden Codes“ suchten die Schülerinnen und Schüler nach versteckten Zeichen und Botschaften, mit denen Menschen im Netz ausgegrenzt oder abgewertet werden. „Augen auf!“ zeigte anhand eines fiktiven Influencers, wie Hetze, Falschinformationen und extremistische Aussagen eingesetzt werden können, um Follower zu gewinnen. Im Workshop „Social Media & Extremismus“ wurde untersucht, wie sich extremistische Botschaften hinter Memes, Musik oder scheinbar harmlosen Trends verbergen können.
Wie schleichend Radikalisierung verlaufen kann, erlebten Jugendliche beim Adventure-Game „Leons Identität“. Durch Rätsel, Sprachnachrichten und Notizen rekonstruierten sie die Geschichte eines fiktiven Jugendlichen, der in die rechtsextreme Szene geraten ist. Dabei ging es insbesondere um Rekrutierungsstrategien extremistischer Gruppen, Warnsignale und Hilfsmöglichkeiten.
Besonders unmittelbar wurde das Thema durch persönliche Erfahrungen von Gastreferenten. Philip Schlaffer, der selbst jahrelang in der rechtsextremen und Rockerszene aktiv war, berichtete über seinen Weg in die Szene und seinen späteren Ausstieg. Gemeinsam wurden Mechanismen von Radikalisierung und die Gefahren von Gewalt betrachtet. Ein weiterer Gastredner berichtete über Erfahrungen im Zusammenhang mit Extremismus und Islamismus. Im direkten Austausch konnten die Jugendlichen Fragen stellen und sich damit beschäftigen, wie Radikalisierungsprozesse funktionieren, woran manipulative Botschaften zu erkennen sind und wie man sich gegen Hetze positionieren kann.
Dass Rassismus und Vorurteile nicht immer sofort offensichtlich sind, zeigten weitere Angebote. Als „Sprachdetektive“ untersuchten Jugendliche Songtexte und Social-Media-Posts auf offene und versteckte rassistische Aussagen. Beim „Klischeeschredder“ hinterfragten sie typische Schubladen und vereinfachende Vorstellungen über andere Menschen und erprobten, wie man auf Vorurteile und abwertende Sprüche reagieren kann. Auch die Frage, ob es aus biologischer Sicht überhaupt verschiedene „Menschenrassen“ gibt, wurde anhand der menschlichen Evolution, äußerer Merkmale und der DNA behandelt.
Musik, Religion und persönliche Erfahrungen eröffneten weitere Zugänge. Jugendliche beschäftigten sich damit, wie extremistische Gruppen Musik für ihre Zwecke einsetzen können, entwickelten aber zugleich eigene Zeilen für Respekt, Toleranz und ein friedliches Miteinander. Ein anderer Workshop untersuchte, wie Religionen ein respektvolles Zusammenleben fördern können und wie extremistische Gruppen religiöse Inhalte für Hass und Abwertung instrumentalisieren.
Auch die Schule selbst wurde zum Thema. Im Workshop „Safe Spaces in der OBS 1“ überlegten Schülerinnen und Schüler, wie geschützte Räume aussehen können, in denen Menschen vor Anfeindungen, Ausgrenzung und Diskriminierung sicher sind – und ob und wie solche Orte an der Oberschule 1 umgesetzt werden könnten.
Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas sollte der Projekttag vor allem vom Mitmachen leben. Sport und Teamspiele, Kunst, Kochen, Musik, Diskussionen, digitale Spiele und kreative Aktionen boten unterschiedliche Möglichkeiten, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Die Vielfalt der Workshops spiegelte dabei zugleich die zentrale Botschaft des Tages wider: Eine demokratische Schulgemeinschaft lebt von Vielfalt, gegenseitigem Respekt, Zusammenhalt und der Bereitschaft, bei Ausgrenzung, Rassismus und Extremismus nicht wegzusehen.
Text und Bilder: Projektteam Dokumentation





